American Hagwon, der kommende Roman von Min Jin Lee, soll am 29. September 2026 erscheinen. Es handelt sich um den dritten Band einer geplanten vierteiligen Serie, die Korea und die koreanische Diaspora über Generationen und Kontinente hinweg begleitet. Die Erwartungen sind hoch – auch, weil Lee für ihre gründliche Recherche, ihre moralische Klarheit und dafür bekannt ist, Geschichte nicht bloß als Kulisse, sondern als gelebte Erfahrung zu erzählen.
Die Handlung
Im Mittelpunkt des Romans steht eine koreanische Mittelstandsfamilie, deren Leben durch die Finanzkrise in Asien 1997 aus der Bahn gerät. Auf der Suche nach Stabilität führt die Geschichte durch Korea, Australien und Südkalifornien. Bildung ist der rote Faden des Romans. Der Titel bezieht sich auf „Hagwons“, gewinnorientierte Nachhilfezentren, die Südkoreas Bildungssystem prägen. Lee nutzt diese Institutionen, um Themen wie Ehrgeiz, elterlichen Druck und den Glauben zu beleuchten, dass schulische Erfolge die Zukunft einer Familie sichern können.
Der Fokus bleibt nah an den Figuren und ihrem Alltag und zeigt, wie Liebe, Pflichtgefühl und Erwartungen im Familienleben aufeinanderprallen, während die Familie mit wirtschaftlichen Umbrüchen und Migration umgeht.
Das Thema
Lee beschäftigt sich seit langem damit, wie Systeme das Leben von Einzelnen prägen – und auch American Hagwon knüpft daran an. Bildung wird hier nicht als abstraktes Ideal, sondern als wettbewerbsorientierte Branche dargestellt, die sozialen Aufstieg verspricht, aber auch emotionale und finanzielle Opfer fordert. Indem die Hagwons ins Zentrum rücken, fragt Lee, wie Familien Wert und Erfolg messen und wie Kinder sowohl Hoffnung als auch Druck erben. Durch die internationale Perspektive werden diese Fragen noch drängender und zeigen, wie sich koreanische Werte in der Diaspora verändern, weiterentwickeln oder auch verhärten.
Das größere Projekt der Autorin
Mit Romanen wie Pachinko und Free Food for Millionaires hat sich Lee als Autorin großer Familiensagas etabliert, die immer in gesellschaftlicher Realität verankert sind. Pachinko war Finalist beim National Book Award und wurde von Apple TV+ als Serie adaptiert, wodurch Lee ein weltweites Publikum erreichte.
Mit American Hagwon vertieft Lee ihre Auseinandersetzung mit Themen wie Herkunft, Klasse, Geschlecht und Zugehörigkeit – präzise und aus der Sicht ihrer Charaktere erzählt. Der Roman stellt nachhaltige Fragen: Was kann Bildung wirklich leisten? Was fordert sie von uns? Und wie entscheiden Familien, welches Leben erstrebenswert ist?

